Eiskalt Energie sparen? Geht auch einfacher!

Eisbaden statt heiß duschen, Wollpullover statt Boxershorts in den eigenen vier Wänden? Energie sparen im Alltag ist jetzt das Gebot der Stunde. Was können wir tun?

Autorin: Lena Kube

Die Energieversorgungs-Karten in Europa werden neu gemischt. Leere Gasspeicher im Winter sind dabei das größte Problem, denn es fehlt die Infrastruktur. Gelingt es uns nicht, mit vereinten Kräften den Gasverbrauch um ein Viertel zu senken, könnte eine Versorgungslücke entstehen. Die Berechnungen beziehen sich auf eine typische Kälteperiode im Winter.

„An der Einsparung von Erdgas führt kein Weg vorbei – und dass die Verbraucher mithelfen, ist ein zentraler Faktor“, sagt Energie-Experte Jörn Gierds vom Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) auf Anfrage von flin. Er muss es wissen. Die renommiertesten Wissenschaftsakademien Deutschlands – Leopoldina, acatech und Akademienunion – haben die Energieversorgungslage faktenbasiert eingeschätzt. Jörn Gierds hat die Arbeit als wissenschaftlicher Referent begleitet.

„Verbraucher müssen bei der
Einsparung von Erdgas mithelfen“

Was erwartet uns, sollten die Reserven zur Neige gehen? Wird die morgendliche Dusche zum Eisbad und bleibt der Heizkörper kalt? Der Notfallplan Gas der Bundesregierung hat die Antworten parat. Am 23. Juni 2022 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Es gibt drei Energie-Ampelstufen: Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe. Falls die Notfallstufe ausgerufen wird, nimmt die Bundesnetzagentur die Rolle des sogenannten Bundeslastverteilers ein und entscheidet, wer zuerst mit Gas versorgt wird.

Privathaushalte stehen neben Kindergärten und Krankenhäusern ganz vorne auf der Liste. Auf eine knusprige Pizza aus dem (Gas-)Ofen müssen wir also auch bei knapper Versorgungslage nicht verzichten. Der Blick auf die steigenden Energiepreise kann den Appetit allerdings verderben.

Warum der Energiekosten-Schreck Verspätung hat

Der Preisanstieg ist gewaltig. Und wohin geht die Reise? „Auf kurze Sicht – also für die kommenden ein bis zwei Jahre – werden die Preise voraussichtlich hoch bleiben“, erklärt Jörn Gierds. Trügerisch ist allerdings, dass wir von diesem Preissprung zuerst nur wenig merken. Schließlich bleiben die Nebenkosten im Mietvertrag vorerst gleich. Der große Schreck kommt für viele Kunden im Jahr 2023. Dann steht die Betriebskostenabrechnung des Vorjahres an und Mieter müssen für Nachzahlungen für Gas oder Öl mitunter tief in die Tasche greifen. Das können schnell mehrere Hundert Euro sein.

Beim Strom hingegen haben viele Privathaushalte direkt einen Vertrag mit einem Anbieter geschlossen. Wird der Strom teurer, kommt das früher oder später auch bei den Kunden an und ein Infoschreiben zur Preiserhöhung landet im Briefkasten. Also rein in den Wollpullover und runter mit dem Energieverbrauch – nicht nur für das eigene Portemonnaie. Energie sparen ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die im Kleinen anfängt. Beim kleinen Knipsschalter am Fernseher oder den selbst gestrickten Socken von Oma.

Fotos: iStockphotos

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