Diese Ausbildung ist Gold wert

Influencer kann jeder: Wir stellen Ihnen außergewöhnliche Ausbildungswege vor und porträtieren die Menschen dahinter. In der ersten Folge von „Mein Job und ich“ erzählt die 18-jährige Laura, warum ihre Ausbildung zur Goldschmiedin abwechslungsreich und krisensicher ist.

Text: Thilo Weinert

Es ist einer der ältesten Berufe der Welt: Goldschmiede (und -schmiedinnen) gibt es mindestens schon seit rund 7.000 Jahren. Das filigrane Handwerk mit dem sprichwörtlich goldenen Boden wurde sowohl von prähistorischen Bulgaren wie im alten Ägypten ausgeübt, die Römer liebten es und auch in der Bibel werden die Metallkünstler erwähnt.

Handwerk mit Frauenpower

Obwohl die Menschen in allen Zeiten gerne Schmuck trugen, sind es nur ein paar hundert Azubis, die sich heute in Deutschland für die klassische, dreieinhalb Lehrjahre lange Berufsausbildung „Goldschmied“ entschieden haben. Rund dreiviertel von ihnen, außergewöhnlich fürs Handwerk, sind weiblich.

So wie die 18-jährige Laura Geiger aus Reutlingen in Baden-Württemberg: „Es war gar nicht so einfach. Zwar kam ich früh mit Metallverarbeitung in Berührung, da mein Vater in dem Bereich selbstständig tätig ist. Mein Schulpraktikum habe ich bei einem Goldschmied in Stuttgart absolviert und war sofort begeistert. Aber man muss dann eine der raren Ausbildungsstellen ergattern.“  Geklappt hat es nach der Mittleren Reife und einem FSJ-Jahr in Esslingen-Zell, beim Familienunternehmen Goldschmiede Witzig, das seit jeher Wert auf qualifizierte Ausbildung legt.

Kunst versus industrielle Massenware

Goldschmiedemeisterin Corinna Espey, die gemeinsam mit ihrer Schwester Katja Schillinger den alteingesessenen Handwerksbetrieb mit Ladengeschäft führt, ist von der Zukunft des Gewerbes überzeugt: „Heute dominiert im Schmuckbereich zwar oft billige Industriemassenware. Das ist auch der Grund, warum viele Unternehmen nicht mehr ausbilden, sondern nur abverkaufen. Aber dem stellen wir bewusst unser nachhaltiges Konzept entgegen, das auf hochwertigen, großenteils selbst hergestellten Produkten basiert.“ Witzig bietet vielfach Unikate, die oftmals im persönlichen Dialog mit dem Kunden entwickelt und auf seinen Wunsch hin realisiert werden: Seien es Finger- oder Ohrringe, Ketten, Broschen sowie Armbänder und dergleichen mehr.

Nischenberuf hat weiter Zukunft

„Wertvollen Schmuck wird es geben, solange es Menschen gibt.“

Solche Stücke sind einzigartig, dauerhaft wertvoll und können vor allem auch später nachbearbeitet werden. „In unserer Werkstatt vergrößern oder verkleinern wir Ringe, arbeiten Schmuckstücke um oder reparieren sie auch, zum Beispiel defekte Schließen von wertvollen Ketten,“ schildert Laura Geiger aus ihrem Tagesgeschehen. „Da viele Menschen gerade bei Schmuck auf Exklusivität, Qualität und Service setzen, ist mir um die Zukunft unseres Berufs nicht bange“, ergänzt Corinna Espey. Es gebe wenige, die dieses Handwerk beherrschen; aber wertvollen Schmuck wird es geben, solange es Menschen gibt.

Laura on the Road

Allerdings: So ein besonderer Beruf ist nicht an jedem Ort realisierbar. Mobilität gehört daher meist zu den Einstiegsvoraussetzungen. Laura Geiger bewältigt täglich die knapp 50 Kilometer-Anreise von Reutlingen nach Esslingen, einmal die Woche geht`s darüber hinaus an die Berufsschule nach Schwäbisch Gmünd. Goldschmied ist kein Homeoffice-Beruf. „Zum Glück habe ich jetzt den Führerschein, da bleibt mir einiges Umsteigen erspart“, resümiert die Azubine, die derzeit im zweiten Ausbildungsjahr ist. Aber dafür sei der Beruf sehr abwechslungsreich, außergewöhnlich und eben krisensicher.

„Goldschmied ist kein Homeoffice-Beruf.“

Bei aller Feinfertigkeit bleibt es trotzdem ein Handwerk. „Ich löte Ketten und arbeite mit der Dehnmaschine. Beim Sägen und Feilen sprühen die Späne. Am Ende des Arbeitstages steht erstmal Hände- und Gesichtsreinigung auf dem Programm. Aber es ist so schön, mit wertigen Stoffen Feines zu erstellen. Gleich zu Beginn habe ich sehr gerne Silber bearbeitet, das hat sich mit der Zeit geändert; heute liebe ich Gold am meisten“, schließt Laura Geiger.

Goldschmied  – so geht´s:

Auf Berufseinstiegsmessen finden Sie diesen Beruf selten. Das Handwerk ist zu speziell, um sich bei solchen Veranstaltungen präsentieren zu können. Erste Infostation kann ein Kontakt zu den Handwerkskammern sein, die in Deutschland flächendeckend regional und lokal präsent sind. Seit 2025 ist die offizielle Ausbildungsbeschreibung Goldschmied/Silberschmied. Alles wichtige zum Ausbildungsberuf finden Sie bei der Agentur für Arbeit. Eine Anfrage, beispielsweise bezüglich eines Praktikums, kann auch bei einem örtlichen Juwelier oder Goldschmied erfolgen; dieser sollte idealerweise über eine eigene Werkstatt verfügen. Ausbildungsvoraussetzung ist grundsätzlich ein Schulabschluss, etwa ein Real- oder Gymnasialabschluss. Hilfreich sind darüber hinaus gute Kenntnisse in Physik und Chemie sowie handwerkliches Geschick und Kreativität. 

Bild: Thilo Weinert, privat

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