Vorbildlich! Menschen, die uns inspirieren

Ob im Sport, in der Politik, in der Kunst oder in der eigenen Familie – Vorbilder können wir in vielen Bereichen finden. Im Laufe unseres Lebens begegnen wir immer wieder Menschen, die uns inspirieren und die unseren persönlichen Werdegang beeinflussen. Welche Bedeutung haben Vorbilder? Und was geschieht, wenn wir uns an den Falschen orientieren?

Autorin: Caroline Friedmann

Wenn jemand authentisch ist, Disziplin an den Tag legt und seine Ziele verfolgt, wenn er ein offenes Ohr für mich hat und mir manchmal den „richtigen“ Weg weist – dann ist er für mich ein gutes Vorbild.

Clara Schneider, Radprofi

Clara Schneider ist dreifache Junioren-Weltmeisterin und U23-Europameisterin im Bahnradfahren. Eine Person, die ihrer Vorstellung eines guten Vorbilds entspricht, hat die 19-Jährige in ihrem Trainer Eric Engler gefunden, der in seiner Sportlerkarriere unter anderem den Bahnrad-Weltcup gewann.  Er und andere Profisportler, meint sie, seien auf jeden Fall Musterbeispiele für sie – zumindest in Bezug auf ihren Leistungssport, für den sie seit elf Jahren mit viel Begeisterung trainiert.

Der 25-jährigen Rathipa Yogeswaran kommen beim Thema Vorbilder vor allem ihre Eltern in den Sinn. „Ich bewundere meine Eltern für ihre Hingabe und ihre Ausdauer im Leben. Sie sind ihren Prinzipien immer treu geblieben, haben sich stets ihre positive Einstellung bewahrt und bauen mich auf, wenn es nötig ist“, erzählt die 25-jährige Marketing-Referentin aus Elsdorf. „Solche Eigenschaften machen für mich ein gutes Vorbild aus.“

Vorbilder bleiben nicht immer dieselben

Dr. Ilona Bürgel, Psychologin und Sachbuchautorin

Vor allem für Kinder und Jugendliche spielen Leitbilder eine wichtige Rolle. Denn sie orientieren sich an Menschen in ihrem Umfeld und übernehmen deren Denk- und Verhaltensweisen. Besonders in den ersten Lebensjahren lernen Kinder von ihren Eltern und anderen nahestehenden Personen, was für das Leben und das gesellschaftliche Miteinander wichtig ist, wie die Dresdener Psychologin und Sachbuchautorin Dr. Ilona Bürgel erklärt: „Sie erleben, wie Eltern, Lehrer oder andere nahestehende Personen mit anderen Menschen, neuen Situationen, Konflikten oder Gefühlen umgehen und orientieren sich daran.“

Für Jugendliche haben auch berühmte Personen wie Popstars oder erfolgreiche Unternehmer oft eine Vorbildfunktion. Bestes Beispiel: Apple-Gründer Steve Jobs, der bis heute auch nach seinem Tod noch sehr verehrt wird; in einer älteren Umfrage der Online-Plattform Wise sahen starke 27 Prozent der befragten 16- bis 25-Jährigen in Deutschland den Apple-Gründer als Karriere-Vorbild an. Dabei bleiben die Menschen, die uns inspirieren, meist nicht ein Leben lang dieselben. „Junge Leute unter 20 Jahren orientieren sich noch stark an ihren Freunden“, so Psychologin Ilona Bürgel. Später, im Laufe des Berufslebens, seien es eher externe Leitbilder, zum Beispiel erfolgreiche Personen aus der Branche. „In der Lebensmitte und darüber hinaus hat man wieder ein anderes Wertesystem. Da wird man eher schauen, wer eigentlich ein sinnvolles Leben lebt.“

Idol versus Vorbild

Alper K. Turfan, SchattenWolf GmbH

Vom Vorbild aus dem persönlichen Umfeld abzugrenzen ist das Idol, also beispielsweise Popstars oder Schauspieler. Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache bezeichnet der Begriff „Vorbild“ ein Muster oder Leitbild oder jemanden, dem man nacheifert. Ein „Idol“ ist demnach jemand, den man ­– manchmal sogar übermäßig – verehrt. Ilona Bürgel meint: „Idole sind in der Regel Menschen, die ein besonderes Talent haben, das sie aufgebaut haben und dadurch zu großem Erfolg und oft auch zu großer Berühmtheit gekommen sind. Die sind aber in der Regel weit weg von einem normalen Leben, wie das die meisten von uns leben.“

Auch der YouTuber und Gründer einer Videoproduktionsfirma Alper K. Turfan – der auch die Kolumne Serienreife für flin schreibt – hatte als Kind ein sportliches Idol: den rumänischen Fußballer Gheorghe Hagi. „Wenn ich ein Tor schoss, rief ich seinen Namen, um mir vorzustellen, ich sei er und stünde gerade nicht auf dem Bolzplatz, sondern in einem ausverkauften Stadion“, erzählt der 34-Jährige aus Köln. „Vielleicht war das mein frühestes Vorbild.“ Mehr zum Thema Vorbilder verrät Alper hier im Interview.

Ideengeber und Mutmacher

Aber was macht gute Vorbilder aus? Und warum sind sie wichtig? „Vorbilder motivieren und inspirieren uns, sie können Ideengeber sein und uns zeigen, dass etwas möglich ist“, erklärt Psychologin Bürgel. „Vorbilder sind aber auch Mutmacher. Wenn man zum Beispiel mal einen Hänger hat, kann man sich eine Biografie von jemandem, den man bewundert, anschauen. Die Erkenntnis, dass auch ein Vorbild vielleicht mal eine Prüfung nicht geschafft hat, das macht einfach Mut.“

Ebenso wichtig für die persönliche Entwicklung sind aber auch Anti-Vorbilder, also Menschen, die uns vorleben, wie wir nicht sein möchten. Denn auch das gibt Orientierung, weiß Ilona Bürgel: „Häufig sind es die eigenen Eltern, die uns als Anti-Vorbild dienen, weil man zum Beispiel nicht so viel arbeiten möchte wie sie. Das können aber auch Menschen sein, die man aus den Medien kennt und von denen man denkt: So aufdringlich oder unangenehm möchte ich nicht sein.“

Anti-Vorbilder als Wegweiser

Dr. Kathrin Brenker, Immunbiologin

Für Dr. Kathrin Brenker waren es vor allem Anti-Vorbilder, die sie dorthin gebracht haben, wo sie heute im Leben steht. Eigentlich wollte die studierte Immunbiologin Professorin werden. „Aber ich habe im Hochschulbetrieb und mit meinem Doktorvater eher negative Erfahrungen gemacht. Wie dort gearbeitet wurde, entsprach nicht dem, was ich unter wissenschaftlichem Arbeiten verstehe“, erklärt die 37-Jährige, die in Freiburg lebt. Also beschloss sie – aufbauend auf ihren Forschungen für ihre Doktorarbeit ­– im Alter von 33 Jahren ein Start-up zu gründen. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner arbeitet sie im Bereich der Optogenetik und entwickelt Geräte, mit denen Körperzellen mithilfe von Lichtimpulsen ferngesteuert werden können. „Zum Beispiel können wir bei Mäusen mit Hautkrebs Immunzellen genetisch so verändern, dass sie lichtempfindlich werden und wir die Immunzellen anschließend lokal aktivieren und den Krebs bekämpfen können.“

Man sollte nie versuchen, das Leben eines anderen eins zu eins zu kopieren.

Heute ist Kathrin Brenker froh über ihre fehlenden Vorbilder in der Wissenschaft und den Weg, den sie dadurch gegangen ist. Doch falsche oder Anti-Vorbilder können uns auch negativ beeinflussen, erklärt Psychologin Ilona Bürgel: „Viele junge Menschen wollen ja Influencer werden, weil der Eindruck entsteht, die machen so ein paar schöne Fotos und kassieren dafür total viel Geld. Aber da darf man sich nichts vorgaukeln lassen, sondern man muss sehen, dass das wirklich richtig harte Arbeit ist, dass man einen extremen Druck hat zu liefern – für die Plattformen und die Follower.“ Auch sollte man nie versuchen, das Leben anderer eins zu eins zu kopieren. „Sonst läuft man Gefahr, die eigene Identität zu verlieren, zum Beispiel, wenn jemand Schönheits-OPs machen lässt, nur um so auszusehen wie das Idol.“ Das gilt zum Beispiel für das brasilianisch-britische TV-Sternchen Jessica Alves – früher bekannt als Rodrigo Alves –, die sich zunächst unzähligen Schönheits-Operationen unterzog, um wie die Barbiepuppe Ken auszusehen, und sich später in Barbie umoperieren ließ. Der brasilianische Tätowierer Fernando Franco de Oliveira wünschte sich das Äußere eines Orks   aus dem Film „Herr der Ringe“ – und ließ sich dafür sogar die Nase abschneiden.

Auch Alper K. Turfan hatte als Jugendlicher schlechte Vorbilder: Künstler, die er zelebrierte, die aber das Rauchen oder Trinken als cool inszenierten. Alper meint: „Das war sicherlich mit ein Grund dafür, warum ich jahrelang selbst rauchte. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Da frage ich mich schon manchmal, wäre es mir besser ergangen, wenn ich all das nicht gesehen, gehört oder gelesen hätte?“

Große Fußstapfen

Wichtig ist also, sich selbst treu zu bleiben – und sich ein Vorbild zu suchen, das zu den eigenen Werten und Wünschen passt. Denn das motiviert uns. Fürs Leben oder auch für das nächste große Ziel. So wie im Falle von Clara Schneider, die sportlich gerne in die Fußstapfen ihres Trainers treten möchte: „Mein nächstes großes Ziel wird mein erster Weltcup bei der Elite Mitte April in Milton in Kanada sein“, sagt die 19-jährige Radsportlerin. „Dazu kommt meine erste Heim-Europameisterschaft in Cottbus im Juli.“

Fünf Tipps, um ein Vorbild zu finden

  • Wählen Sie ein Vorbild aus Ihrem echten Leben, jemanden, den Sie persönlich kennen, respektieren und dessen Handeln Ihren Moralvorstellungen entspricht.
  • Suchen Sie sich Vorbilder, bei denen Sie gute Eigenschaften sehen, die Sie selbst gerne hätten – zum Beispiel ein besonderes Empathievermögen, Disziplin oder Selbstvertrauen.
  • Orientieren Sie sich nicht an unerreichbaren „Überfliegern“. Denn das führt womöglich zu Frust. Entscheiden Sie sich lieber für jemanden, der verlässlich und kompetent ist und der seine heutige Position durch Engagement und harte Arbeit erreicht hat.
  • Seien Sie kritisch, denn auch ein gutes Vorbild hat Fehler. Ahmen Sie also nicht blind alles nach, was diese Person tut, sondern hinterfragen Sie deren Handlungen.
  • Bleiben Sie sich selbst treu und entwickeln Sie Ihren eigenen Stil. Einem Vorbild nachzueifern, bedeutet nicht, die eigene Individualität zu verlieren.

Einfach mal Reinschauen

Bilder: https://www.frontalvision.com/de/ & https://www.uec.ch/, Julius Erler, Alper K. Turfan, Jürgen Gocke

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