Das Leben ist nicht leicht, wenn man DC-Fan ist. Als Kind liebte ich zwar Spider-Man, aber wenn es um die Comics ging, hatte mich DC ganz schnell im Griff (allen voran natürlich Batman). Doch aktuell wischt Marvel mit DC den Boden: Spider-Man: Brand New Day schwingt sich mal eben so zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten bei weltweiten Einnahmen von 2,5 Milliarden US-Dollar (also dreimal Volltanken).
Autor: Alper K. Turfan
Doch zeitgleich floppte Supergirl. DC hätte den Film gleich zwanzigmal veröffentlichen müssen, um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft an den Kinokassen zu schlagen. DC macht das jetzt aber zumindest ein zweites Mal, denn Batman-Bösewicht Clayface steht Ende Oktober in den Startlöchern: ein außergewöhnlich mutiger Body-Horror-Film über einen gescheiterten Schauspieler, der zum Schlammwesen mutiert. Ob der Film der große Kassenschlager wird, bezweifle ich aber stark. Zeitgleich steuert Marvel mit Robert Downey jr. als mächtiger Doctor Doom auf Avengers: Doomsday im Dezember zu. Also: ein kleinerer Batman-Bösewicht mit schmalem Budget gegen alles, was Marvel so aufzubieten hat…
Betrachtet man das Kino-Duell als Dominanzkampf an den Kinokassen wird der Konflikt wohl im Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag landen. Dabei rast DC Comics schon seit Jahren im Comic-Markt allen Konkurrenten davon. Die sogenannte Absolute-Reihe ist ein Super-Hit: 19 der 20 erfolgreichsten Comics des Jahres 2025 stammten von DC und 14 davon trugen ein „Absolute“ auf dem Cover. Wenig überraschend wurde sogar eine Animationsserie zur Absolute Batman angekündigt. Denn Batman ist in dieser Welt kein reiches Waisenkind, sondern ein Junge aus der unteren Mittelschicht, der mit seiner alleinerziehenden Mutter lebt.
Es ist spannend zu sehen wie diese erfolgreichen Comic-Experimente immer mehr auf die Bildschirme und Leinwände schwappen. Doch so toll (und etwas langatmig) Marvels Spider Noir war, feiert doch DC die größeren Erfolge in der Serienwelt. Aktuell schwärmen Serienfans weltweit von Lanterns! Ich habe mich wahrhaftig auf die DC-Serie auf HBO Max gefreut. Wie spannend die Mythologie hinter den Green Lanterns ist, ist in Deutschland außer bei Comic-Fans kaum angekommen. Vielleicht liegt das ja am schwer erträglichen Superhelden-Schrott von 2013 mit Ryan Reynolds, der das Thema für die nächsten Jahre begraben hat.
Green Lantern ist im Gegensatz zu vielen anderen Helden aber gar kein einzelner Superheld, sondern ein Titel… oder vielmehr eine Verantwortung! Das Green Lantern Corp. ist eine intergalaktische Polizei, die das Universum in Sektoren unterteilt und jedem Sektor eine Green Lantern zuweist. Der grüne Machtring reagiert dabei auf die Willenskraft seines Trägers und kann aus grüner Energie alles erschaffen, was man sich vorstellen kann (nur nicht einen erfolgreichen Supergirl-Film).
Das Clevere an der Serie Lanterns ist aber, dass die Geschichte aufgezogen ist wie ein Kleinstadt-Krimi á la True Detective, Fargo oder The Killing und sich um die beiden Lanterns Hal Jordan und Jon Stewart dreht. Wer hier eine langweilige Superhelden-Serie erwartet, liegt so falsch wie die Leute, die dachten Spider-Man: Brand New Day würde floppen. Dass sich Lanterns auf so vielen Ebenen abspielt und eine wirklich bewegende Geschichte von Erfüllung, Schicksal und Willenskraft erzählt, hatten die wenigsten erwartet. Die Plot Twists, das Casting, die Dialoge… Hier stimmt einfach alles.
Es besteht also Hoffnung für DC, am hellsten Tag und in schwärzester Nacht.
Bilder: Alper K. Turfan
