Allrounder-Ausbildung mit Zukunftsgarantie

Unsere fünfte Folge von von „Mein Job und ich“ führt nach Piding, gelegen im südöstlichsten Zipfel Bayerns. Sagt Ihnen nichts. Ich helfe nach: Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG. Molkerei-Genossenschaft seit fast 100 Jahren und seit mehr als 50 Jahren auch als Bio-Molkerei aktiv – die erste dieser Art in Deutschland. Alina Rexhaj absolviert dort ihre Ausbildung zur Milchtechnologin im zweiten Lehrjahr.

Autor: Thilo Weinert

Traditionsberuf mit futuristischem Namen

„Rinderhaltung und damit Milchverarbeitung gibt es, seit die Menschen sesshaft wurden“, weiß Alinas Ausbilder Christian Tiede. Der 40-jährige, selbst von Anbeginn seiner Berufslaufbahn bei den „Berchtesgadenern“, schildert einen Beruf, der durch viele Modernisierungsschübe seit dem 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht hat: „Die moderne Berufsbezeichnung trifft es genau. Denn die Zentrifuge, mit deren Hilfe man viel rascher als früher Rahm für die Butter- und Sahnegewinnung von der Milch trennen kann, und die Pasteurisierung, die durch kurzzeitige Erhitzung die Milch haltbarer und damit auch transportfähiger gemacht hat als früher, haben uns Milchtechnologen zu modernen Lebensmittelmanagern gemacht.

Bergprodukt meets Hightech

„Als Qualitätsanbieter sind wir mit unseren rund 500 Mitarbeitenden mittelständisch geprägt und werden ausschließlich von etwa 1.500 bäuerlichen Familienbetrieben im Raum zwischen Watzmann, Wildem Kaiser und Zugspitze beliefert. Diese haben maximal rund 30 Kühe auf ihren Bergweiden. Deren Milch, die täglich bei uns angeliefert wird, trifft hier auf einen modernen Technikpark. Wir arbeiten daher unter hohen Hygienestandards an sieben Tagen rund um die Uhr“, erklärt Tiede.

Teamplayerin Alina

Die Arbeit als Milchtechnologin: Digitale Prozessüberwachung und Teamarbeit sind
wichtig.

„Unsere derzeit vier Milchtechnologie-Azubis schulen wir sowohl in technisch-maschinellen wie auch in biologisch-chemischen Zusammenhängen, denn dieser Beruf hat sehr viele Facetten“, ergänzt Tiede. „Besonders gefällt mir, dass wir trotz der modernen Verarbeitung immer in kleinen Gruppen von zwei bis vier Leuten arbeiten“, schildert Alina Rexhaj ihren Alltag im weißen Hygiene-Dress. „Da muss das Miteinander stimmen. Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit sind gefragt. Ich durfte schon mehrfach im Team die Produktion steuern…“

Mensch und KI

Trotz Einsatz modernster Technik ist die Milchtechnologie ein Berufsfeld mit sicherer Perspektive. „Wir prüfen täglich die Sensorik unserer Milchprodukte. Der Geschmack, die Optik und die Konsistenz müssen stimmen. Das kann keine Maschine so gut wie der Mensch. Auch wenn bei den technischen Themen und im Labor künstliche Intelligenz eine relevante Rolle spielen kann, wird sie in unseren Beruf immer nur Hilfsmittel sein“, ist sich Alina sicher.

Auch „Flachlandtiroler“ geeignet

„Bei mir selbst lag die Berufswahl sehr nahe. Ich komme hier aus der direkten Umgebung, aus Bad Reichenhall. Und als ich klein war, haben wir oft den Bauernhof von meinen Opa im Kosovo besucht. Kühe und frische Milch, das hat mich fasziniert“, erinnert sich die 18-jährige. „Dieser schöne Beruf steht aber durchaus auch allen offen, die keinen solchen Bezug vorweisen. Wer Milch, Milchprodukte und ganz allgemein Lebensmittel mag, ist hier richtig“, erklärt Christian Tiede und fährt fort: „Zum einen freue ich mich, dass es uns regelmäßig gelingt, unsere Azubis zu übernehmen. Zum anderen ist es auch so, dass diese Ausbildung ganz allgemein große Chancen eröffnet – sei es in der Fortbildung bis hin zum Meister, einem späteren Studium oder sei es, dass man in seiner Laufbahn noch ein anderes Segment der Lebensmittelherstellung kennenlernen will.“

Hochwertiges Ausbildungsverfahren

In einer der europaweit modernsten Mehrweg-Flaschenabfüllanlagen wird in Piding
neben Milch und Schlagrahm auch Schokoladenmilch abgefüllt.

„Ich jedenfalls bin bei der Milch geblieben. Die Molkereiwirtschaft ist jener Teil der Lebensmittelherstellung, welche die höchsten Hygiene- und Qualitätsstandards erfordert. Dem tragen wir auch in der Ausbildung Rechnung. Denn es gibt bei uns nicht nur die klassische Blockausbildung einerseits im Betrieb und andererseits in der Berufsschule; wir haben als dritten Baustein noch das bayerische Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Molkereiwirtschaft in Kempten, in dem alle Azubis im Land die kompletten Herstellungsprozesse aller Milchprodukte, also auch Käse, operativ durchlaufen.“ Bleibt nur die Frage, ob Alina nach so viel „Weißheiten“ privat noch Milchprodukte genießen kann? „Oh ja! Ich liebe Joghurtdrinks und Kefir mit Himbeere-Limette.“


Milchtechnologe/-in – so geht´s:
Milchtechnologen sind Allrounder. Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte neben seinem Schulabschluss Freude an der Arbeit mit dem hygieneempfindlichen Lebensmittel Milch haben und dabei Offenheit für die Arbeit mit modernen Systemen mitbringen. In diesem Beruf, der wie im Fall von „Berchtesgadener Land“ auch Schicht- oder gelegentliche Wochenendtätigkeit mit sich bringen kann, arbeitet man unter anderem mit Zentrifugen, Pasteurisierungsanlagen sowie Kühl- und Käsemaschinen. Wer gutes Wissen in Physik, Biologie und Chemie mitbringt, ist im Vorteil – wobei die Betriebe auch sorgfältig schulen. Um ein Gefühl für den Arbeitsplatz und die Beschäftigung mit dem Lebensmittel Milch zu gewinnen, ist der Erstkontakt zu einem milchverarbeitenden Betrieb sinnvoll. Einzelne Käsereien und Molkereien Molkereien bieten auch gelegentliche Betriebsführungen an, nehmen an Ausbildungsmessen teil und bieten Praktika an.

Mehr Infos zur Ausbildung finden Sie unter Milchtechnologe/-technologin – BERUFENET | Bundesagentur für Arbeit und unter Milchtechnologe.

Bildrechte: Molkerei Berchtesgadener Land

 

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