Wenn aus dem Hobby ein Nebenverdienst wird

Aus Kochen, Fotografieren, Nähen, Gaming oder Heimwerken kann mehr werden als ein Hobby. Wer Inhalte veröffentlicht, Produkte verkauft oder Wissen online teilt, kann damit Geld verdienen – muss aber auch Steuern, Kennzeichnungspflichten und andere rechtliche Regeln beachten.

Als Lena Hoffmann am Sonntagabend ihr Smartphone auf ein kleines Stativ stellt, sieht es erst einmal nach Freizeit aus. Die 34-Jährige backt Sauerteigbrot, fotografiert ihre Rezepte und erklärt in kurzen Videos, warum Teig Zeit braucht. Anfangs folgen ihr nur Freunde und Bekannte. Dann werden ihre Beiträge häufiger geteilt. Ein Mühlenbetrieb schickt ihr Mehl. Ein Online-Shop fragt nach einem Rabattcode. Schließlich verkauft Lena eine digitale Rezeptsammlung für fünf Euro. Aus einem Hobby ist ein kleiner Nebenverdienst geworden.

Solche Beispiele gehören zur Creator Economy. Dazu zählen Menschen, die Inhalte, Wissen oder Produkte rund um eigene Interessen erstellen und über digitale Kanäle verbreiten. Das kann auf Instagram, TikTok, YouTube, Twitch, Etsy, Patreon, in Podcasts, Blogs oder eigenen Online-Shops geschehen. Das Themenspektrum ist dabei fast unbegrenzt: Beispiele sind Strickanleitungen, Lernvideos, Musikunterricht, Fitnesspläne, Bastelvorlagen oder auch Gaming-Streams.

Viele Wege zu Einnahmen

Geld verdienen die Content-Schöpfer auf unterschiedliche Weise. Einige erhalten eine Vergütung von Plattformen, etwa über Werbung rund um Videos oder Streams. Andere arbeiten mit Unternehmen zusammen, setzen sogenannte Affiliate-Links, verkaufen digitale Produkte oder bieten Mitgliedschaften an. Auch Workshops, Beratungen, E-Books, Werbemittel oder Spendenmodelle können Einnahmen bringen.

Wer Millionen Menschen erreicht, ist oft als Partner von Marken interessant. Viele erreichen aber nur einige Tausend Follower, die einer klaren Zielgruppe angehören. Auch damit kann man Einnahmen erzielen. Ein Nischenkanal über Balkongemüse, alte Kameras oder veganes Backen kann für ein passendes Publikum wertvoller sein als ein großes, aber beliebiges Profil.

Viele Gamer teilen ihre Leidenschaft mit Fans auf Plattformen wie Twitch und versuchen damit Geld zu verdienen.

Trotzdem sollte niemand den Aufwand unterschätzen. Inhalte müssen geplant, produziert, geschnitten und veröffentlicht werden. Zudem muss man auf Feedback reagieren. Besonders schnell steigt der Aufwand, wenn man Produkte verkauft. Für diese müssen nicht nur hochwertige Bilder und Beschreibungen erstellt werden. Der Versand und Kundenservice inklusive Rechnungsstellung und Retourenabwicklung verschlingen viel Zeit. Und wer einen eigenen Webshop hat, braucht nicht nur ein Impressum, sondern muss sich auch oft ändernden Rechtslagen anpassen – im Jahr 2025 war dies zum Beispiel die Pflicht, Webseiten barrierefrei zu machen.

Was der Start kostet

Viele Einsteiger beginnen mit vorhandener Technik. Ein Smartphone, Tageslicht und ein einfacher Schnitt reichen oft für die ersten Schritte. Mit der Zeit entstehen aber Kosten: etwa für Kamera, Mikrofon, Beleuchtung, Software, Website und Plattformgebühren. Nicht zu vergessen sind Aspekte wie Verpackung, Versand, Steuerberatung oder Fortbildungen, die in die Kalkulation einbezogen werden müssen. Auch Werbung kann Geld kosten, wenn Beiträge gezielt verbreitet werden sollen.

Deshalb lohnt sich ein einfacher Kassensturz: Welche Ein- und Ausgaben fallen an? Wie viel Zeit steckt in jedem Beitrag, jedem Produkt oder jeder Kooperation? Wer monatlich 150 Euro verdient, dafür aber 20 Stunden arbeitet und 80 Euro Kosten hat, betreibt eher ein ambitioniertes Hobby als ein tragfähiges Nebengeschäft. Das ist nicht falsch. Es sollte nur klar sein.

Wann aus dem Hobby ein Geschäft wird

Entscheidend ist aber nicht allein die Höhe der Einnahmen. Wer regelmäßig Gewinne erzielen will, kann steuerlich und rechtlich in den geschäftlichen Bereich fallen. Geldzahlungen sind dabei nicht die einzige Form von Einnahmen. Auch kostenlose Produkte, Gutscheine, Reisen oder Dienstleistungen können relevant sein, wenn sie im Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen.

Daher sollte man früh klären, ob eine Gewerbeanmeldung nötig ist. Viele Content-Schöpfer erzielen gewerbliche Einkünfte. In einzelnen Fällen kann auch eine freiberufliche Tätigkeit vorliegen, etwa bei journalistischer, künstlerischer oder unterrichtender Arbeit. Die Abgrenzung ist nicht immer einfach. Wer unsicher ist, sollte beim Gewerbeamt, Finanzamt oder bei der Industrie- und Handelskammer nachfragen.

Wer Produkte herstellt und vertreibt, sollte daran denken, wie aufwendig der Versand, die Rechnungsabwicklung und das Retourenmanagement sein können.

Nach der Anmeldung folgt häufig der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Danach müssen Einnahmen und Ausgaben dokumentiert werden. Für kleinere Tätigkeiten reicht in vielen Fällen eine Einnahmenüberschussrechnung. Wichtig ist: Belege sammeln, Rechnungen ordentlich ausstellen und private Ausgaben von geschäftlichen Kosten trennen. Ein separates Konto kann helfen, den Überblick zu behalten.

Kleinunternehmertum ist kein Freibrief

Viele Nebenverdiener nutzen die Kleinunternehmerregelung. Seit 2025 gilt: Wer im Vorjahr höchstens 25.000 Euro Umsatz hatte und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen von der Umsatzsteuer befreit sein. Dann wird auf Rechnungen keine Umsatzsteuer ausgewiesen. Das vereinfacht den Start, ersetzt aber keine Buchführung und keine Einkommensteuererklärung.

Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn. Umsatz ist das, was hereinkommt. Gewinn bleibt nach Abzug der Ausgaben. Für die Einkommensteuer zählt grundsätzlich der Gewinn. Wer neben seinem eigentlichen Beruf mit Content Geld verdient, sollte prüfen, ab wann eine Steuererklärung nötig ist und welche Angaben gemacht werden müssen. Bei höheren Gewinnen kann auch Gewerbesteuer relevant werden; für Einzelunternehmen und Personengesellschaften gibt es dabei einen Freibetrag.

Werbung muss erkennbar sein

Ein häufiger Fehler betrifft die Kennzeichnung von Werbung. Wer Geld, Produkte oder andere Vorteile erhält und dafür ein Unternehmen, eine Marke oder ein Produkt zeigt, sollte sehr genau prüfen, ob der Beitrag als Werbung gekennzeichnet werden muss. Das gilt auch für Affiliate-Links, Rabattcodes oder bezahlte Kooperationen.

Die Kennzeichnung muss für Nutzer klar und unmittelbar erkennbar sein. Versteckte Hinweise am Ende eines langen Texts reichen meist nicht. Unklare Abkürzungen können problematisch sein. Wer sauber kennzeichnet, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch sein Publikum. Vertrauen ist für Creator oft wichtiger als ein einzelner Auftrag.

Fremde Inhalte nicht einfach nutzen

Auch Urheberrechte spielen eine große Rolle. Musik, Fotos, Grafiken, Logos, Filmschnipsel oder fremde Texte dürfen nicht einfach übernommen werden. Plattformen wie Instagram oder TikTok stellen zwar häufig Musikbibliotheken oder Vorlagen bereit. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Inhalte auch für jede kommerzielle Nutzung oder für andere Plattformen freigegeben sind.

Ähnlich wichtig sind Persönlichkeitsrechte. Wer andere Menschen filmt oder fotografiert, braucht je nach Situation deren Einwilligung. Bei Kindern ist besondere Vorsicht geboten. Wer Produkte verkauft, muss zusätzlich an Verbraucherinformationen, Versandkosten, Widerrufsrechte und Datenschutz denken.

Nicht nur auf eine Plattform setzen

Ein weiteres Risiko ist die Abhängigkeit von Plattformen. Algorithmen ändern sich, Reichweiten brechen ein, Konten können gesperrt werden, Gebühren steigen. Wer ausschließlich auf einen Kanal setzt, macht sich verletzlich. Deshalb kann es sinnvoll sein, parallel eine eigene Website, einen Newsletter oder einen Shop aufzubauen. Dort lassen sich Kontakte besser sichern als auf fremden Plattformen.

Wer gerne backt und dies gut präsentieren kann, der kann dies auch eventuell monetarisieren. Man sollte allerdings nicht zu viel erwarten.

Auch die eigene Rolle sollte klar bleiben. Nicht jedes Hobby muss monetarisiert werden. Wer aus Freude malt oder backt, muss daraus kein Geschäft machen. Wer aber Geld verdienen möchte, sollte es wie ein Unternehmen behandeln: mit Planung, Preisen, Dokumentation und klaren Grenzen.

Schritt für Schritt beginnen:

  • Für den Anfang reicht ein einfacher Plan:
  • Was ist das Thema?
  • Wer soll die Inhalte oder Produkte nutzen?
  • Welche Plattform passt?
  • Welche Einnahmequelle ist realistisch?
  • Welche Kosten entstehen?
  • Welche rechtlichen und steuerlichen Pflichten gelten?

Lena Hoffmann hat sich inzwischen entschieden, nicht jede Anfrage anzunehmen. Gratisprodukte verbucht sie, Kooperationen kennzeichnet sie, ihre Einnahmen und Ausgaben hält sie in einer Tabelle fest. Ihr Sauerteig-Kanal bleibt ein Hobby. Aber eines, das sauber organisiert ist und inzwischen etwas Geld einbringt.

Drei Pflichten, die viele übersehen

Sobald aus einem Hobby regelmäßige Einnahmen entstehen, können neben Steuern und Gewerbeanmeldung weitere Pflichten hinzukommen, die viele Einsteiger zunächst nicht im Blick haben.

  • Wer mit Wissen Geld verdient, sollte auch die Sozialversicherung prüfen. Selbstständige Lehrer, Trainer oder Coaches können rentenversicherungspflichtig sein, wenn sie keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen. Das kann auch Onlinekurse, bezahlte Tutorials oder regelmäßige Unterrichtsangebote betreffen. Wer solche Angebote verkauft, sollte frühzeitig bei der Deutschen Rentenversicherung klären, ob Versicherungspflicht besteht.
  • Auch die Krankenversicherung kann wichtig werden. Wer angestellt ist und nebenbei als Creator Geld verdient, bleibt nicht automatisch immer nebenberuflich selbstständig. Die Krankenkasse prüft unter anderem Zeitaufwand, Gewinn, wirtschaftliche Bedeutung der Tätigkeit und mögliche Beschäftigte. Wird die Selbstständigkeit als hauptberuflich eingestuft, kann sich die Beitragsberechnung ändern.
  • Händler oder Creator? Zusätzliche Pflichten entstehen, sobald physische Produkte verkauft oder verschickt werden. Wer gewerblich verpackte Waren an Endkunden versendet, muss in der Regel das Verpackungsregister LUCID beachten. Bei Lebensmitteln, Kosmetik oder selbst hergestellten Produkten kommen weitere Anforderungen hinzu, etwa Hygiene, Kennzeichnung, Produktsicherheit und Haftung. Deshalb sollten Creator genau prüfen, ob sie nur Inhalte veröffentlichen oder bereits als Händler oder Hersteller auftreten.

Fotos: Adobe Stock, Midjourney

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