Rettet Lebensmittel

Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) landen allein in privaten Haushalten jährlich rund sechs Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll – etwa die Hälfte des gesamten Lebensmittelabfalls. Insgesamt wirft somit im Schnitt jeder von uns pro Jahr ungefähr 75 Kilogramm Lebensmittel weg. Welche gravierenden Folgen hat das? Und wie können wir Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt vermeiden?

Autorin: Monika Artinger

Was wandert in die Tonne?

Das Wegwerfen von Lebensmitteln hat viele Gründe. Falsche Lagerung beispielsweise. Zitronen verlieren bei Kälte ihr Aroma, ungewaschene Erdbeeren halten im Kühlschrank länger. Über 86 Prozent aller Haushalte werfen Lebensmittel weg, die noch verwertbar gewesen wären. Obst und Gemüse machen etwa ein Drittel der vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus. Es folgen Gekochtes, Brot und Backwaren, Getränke, Milchprodukte, Fertigprodukte sowie Fisch und Fleisch. Die meisten Lebensmittel landen in der Tonne, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist, stellt die Welthungerhilfe fest, obwohl Nahrungsmittel mit abgelaufenem MHD häufig noch genießbar wären.

Welche Auswirkungen hat die Wegwerfmentalität?

Diese Verschwendung bleibt nicht folgenlos. Ein Kilogramm Äpfel im Müll bedeutet die Produktion von ungefähr 550 Gramm Treibhausgas und den Verbrauch von 820 Liter Wasser. Umgerechnet könnte man für diese Menge an Treibhausgas vier Kilometer
Auto fahren und mit dem Wasser rund fünf Vollbäder nehmen. Die Herstellung eines
Kilogramms Käse benötigt ungefähr 5000 Liter Wasser, in einem Kilogramm
Rindfleisch stecken circa 15 000 Liter Wasser. Schätzungsweise ein Drittel der weltweiten Treibhausgase hängt mit der Ernährung zusammen. Die unnötige Erzeugung und der Transport von Lebensmitteln schädigen die Umwelt. Wertvolle Ressourcen
werden vergeudet, und das Klima wird negativ beeinflusst.

Lebensmittelrettung in der Praxis

Wie vermeiden wir Lebensmittelabfälle in der eigenen Küche? Welche Mengen lassen
sich reduzieren? Welche Maßnahmen sind wirksam? Diese Fragen beantwortet beispielsweise das Citizen-Science-Projekt ganz praxisnah. Das spannende Projekt
war Teil der Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel!“im Herbst 2022. Interessierte Lebensmittelretter wurden selbst zu Forschern, indem sie die Lebensmittelabfälle im eigenen Haushalt zunächst gemessen und anschließend überprüften, mit welchen
Aktionen sie diese am besten reduzieren. Ganz nach dem Motto: „Das Essen gehört auf den Teller, nicht in die Tonne“. Mehr Infos dazu und weitere spannende Ideen sowie Projekte unter www.zugutfuerdietonne.de

Praktische Tipps für den Alltag

1. Einkaufszettel benutzen
Die beste Vorsorge sind eine gute Einkaufsplanung und ein regelmäßiger Blick in den Kühlschrank und das Vorratsregal. Alles, was benötigt wird, kommt auf einen Einkaufszettel.

2. Packungsgrößen beachten
XXL-Angebote locken oft mit günstigen Preisen, kommen uns und die Umwelt
aber teuer zu stehen, wenn die Hälfte später in den Müll wandert.

3. Bewusst auswählen
Äpfel mit kleinen Macken schmecken nicht schlechter als ihre makellosen
Verwandten. Ein Brot vom Vortag kann auch übermorgen noch lecker sein.

4. Richtig kühlen
Im Kühlschrank ist die richtige Lagerung wichtig: Obst und Gemüse ganz
unten ins Gemüsefach, Fisch und Fleisch auf die unterste Ablage, da es dort
am kältesten ist, Milchprodukte auf die mittlere, Käse und Speisereste auf
die oberste. Eier, Butter und Getränke haben ihren Platz in der Tür.

5. Haltbarkeit prüfen
Auf vielen Produkten ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angegeben.
Es zeigt an, wie lange ein Produkt mindestens seine typischen Eigenschaften
behält, etwa Farbe und Konsistenz. Danach kann es noch lange genießbar
sein. Grundsätzlich gilt: Was gut schmeckt, gut riecht und gut aussieht,
ist in aller Regel noch gut.

6. Reste verwerten
Die richtige Menge beim Kochen zu finden, ist Erfahrungssache. Doch nicht
immer lassen sich Reste vermeiden. Wichtig ist es dann, die Reste richtig zu
lagern oder anderweitig zu verwerten.

Kostenfreie App für die Resteküche

Informative, kostenfreie App „Zu gut für die Tonne!“ für die kreative Resteküche. Mit Rezepten von Sarah Wiener, Tim Mälzer, Daniel Brühl und weiteren bekannten Kochpaten. Im App Store oder bei Goggle Play.

Fotos: AdobeStock, iStockphoto

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