Serienreife … Rote Flaggen und entlarvte Idole

Nach all den spannenden Serien, die Alper Turfan in dieser Kolumne empfohlen hat, spricht er heute eine ausdrückliche Warnung aus: Sparen Sie sich „The Idol“.

Dabei hatte The Idol das Potenzial zum großen Wurf: Lily-Rose  spielt darin Jocelyn, einen aufgewühlten Popstar. Der tatsächliche Popstar The Weeknd hingegen verkörpert den übergriffigen Clubbesitzer Tedros, in den sich Jocelyn verliebt… trotz seiner sagenhaft albernen Rattenschwanzfrisur. Zwischen den beiden entbrennt eine ungesunde Beziehung, die Jocelyns gesamte Karriere aufs Spiel setzt. Die Drama-Serie läuft auf Disney Plus und stammt aus dem Hause HBO, dem prestigeträchtigen Sender, der für preisgekrönte Serien wie „Game of Thrones“, „Succession“ oder „Die Sopranos“ bekannt ist. Auch der berühmte Serienschöpfer Sam Levinson ließ Hoffnung aufkeimen, denn seine vorherige Serie „Euphoria“ sorgte auf der ganzen Welt für Furore. Was kann da schon schiefgehen? Alles.

Na gut, nicht alles. Lily-Rose Depp trifft am Debakel keine Schuld. Ihr Schauspiel ist überzeugend. Nur darf Johnny Depps Tochter in kaum einer Szene Kleidung tragen und muss sich ständig nackt oder halbnackt auf Betten, Sofas und Küchentischen räkeln. Doch das Erotischste an der Show ist für mich nicht Jocelyn, sondern das Filmkorn. Genau wie Euphoria wurde The Idol auf echtem Film gedreht und das sieht in vielen Szenen zum Anbeißen aus.

Das Fiasko nimmt seinen Lauf

Das war’s dann aber auch mit dem Lob, denn das Fiasko nimmt spätestens dann seinen Lauf, wenn The Weeknd auftritt. Das ist keine Übertreibung. Schauspielerisch bewegt sich der international gefeierte Superstar auf oblatendünnem Eis. Seine Worte und sein Körper bilden selten eine Einheit. Jeder Satz klingt hölzern und einstudiert. Schon das Magazin Vanity Fair widmete ihm nach der Serienpremiere einen ganzen Artikel mit der treffenden Frage: „Warum sind The Weeknds schauspielerischen Fähigkeiten nonexistent?“

Auch nach dem Finale der ersten Staffel bleibt die Frage unbeantwortet. Der Zyniker in mir kann nur darüber lachen: Die Serie entlarvt den mysteriösen Sänger als waschechten Kotzbrocken mit aufgeblasenem Ego. Nicht nur, dass er nie auf die Kritik eingegangen ist – er erklärte dem Publikum, dass alle seine Figur nur missverstanden hätten. Achso!

Der rote Faden fehlt

Es liegt aber auch nicht nur an The Weeknd. Die Handlung dümpelt vor sich hin und schafft es nie einen roten Faden zu etablieren. Die Serie weiß nicht, was sie erzählen möchte, und wirkt manchmal so, als sei sie selbst zu dem geworden, was sie eigentlich kritisieren wollte: narzisstische Selbstbeweihräucherung. Denn The Weeknd und Levinson drehten die Serie komplett neu, nachdem die eigentliche Regisseurin Amy Seimetz die Serie „zu weiblich“ umgesetzt habe. In einer Serie mit einer weiblichen Hauptfigur? Ist das nicht schon eine Red Flag, was die Qualität der Serie angeht? Mittlerweile hat The Weeknd seine Aussage aber dementiert.

Trotzdem: In dieser Serie werden toxische Beziehungen romantisiert und psychische Traumata sexualisiert. Am Ende dreht sich The Idol eigentlich nur noch darum, wer in der Beziehung nun Opfer und wer Täter bzw. Täterin ist. Das ist die einzige Spannungsquelle der Serie. Spoiler: Beide sind beides.

Sparen Sie sich daher die fünf Folgen Serien-Tortur. Aber schauen Sie sich zumindest Tedros‘ Rattenschwanz-Perücke an. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

Fotos: Alper Turfan

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