Influencer kann jeder: Wir stellen Euch außergewöhnliche Ausbildungswege vor und porträtieren die Menschen dahinter. In der dritten Folge von „Mein Job und ich“ erzählt Bachelor-Student Julian, welche Perspektiven das Studium Nachhaltige Rohstoffgewinnung und Recycling bietet.
Autor: Thilo Weinert
Ein tiefgründiges Studium mit großer Perspektive
„Glückauf!“ begrüßt mich Julian Weber. Der 28-jährige ist Bachelor-Student im Fach Nachhaltige Rohstoffgewinnung und Recycling an der Technischen Universität Clausthal. Die seit mehr als 250 Jahren bestehende, traditionsreiche und renommierte Hochschule im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld zählt mit rund 3.000 Studierenden zu den kleinsten Universitäten im Bundesgebiet. Jedoch auch zu den internationalsten: Rund die Hälfte der Eingeschriebenen kommen aus dem Ausland. Die moderne und zukunftsträchtige Studienrichtung, die sich aus dem historischen Bergbau entwickelt hat, ist eine hochgradig globalisierte Disziplin.
Grüße vom Kalimandscharo
Julians Weg nach Clausthal war nicht ganz so weit: „Ich stamme aus der traditionellen Kali-Bergbaugegend nördlich von Magdeburg,“ manchen Reisenden bekannt durch den „Kalimandscharo“. Die beiden aus Rückständen der Kaliproduktion entstandenen Halden zählen heute zu den größten Erhebungen zwischen Magdeburg und Ostsee. „Vor meinem Studium habe ich zunächst eine Berufsausbildung als Bergbautechnologe mit Fachrichtung Tiefbohrtechnik absolviert. Das hat mir viel Spaß gemacht und so unterstützt mich mein Arbeitgeber, das führende Bergbauunternehmen K+S AG, mit einem Stipendium für das Studium in Clausthal.“
Eine Stadt unter der Erde
Das tradierte Bergbau-Image rußgesichtiger Kampfmannen in pechschwarzer Kleidung mit verlässlicher Perspektive auf Staublunge rückt Julian Weber klar zurecht: „Mal ganz abgesehen davon, dass es auch den Tagebau gibt, stellt sich die unterirdische Welt heute als moderner Arbeitsplatz dar. Das sind große Hallen, in denen wir mit leistungsfähigen Maschinen und nach modernsten Sicherheitsstandards arbeiten. Es existieren kleine Städte unter der Erde, in deren Straßen wir uns mit Fahrrädern bewegen und wo wir über komfortable Pausenzonen verfügen.“
Rekultivierung heißt das Zauberwort
Nicht nur der Name des Studiums hat sich geändert, sondern die grundsätzliche Herangehensweise an die Rohstoffgewinnung, erläutert Thomas Hardebusch, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl: „Der erwähnte Kalimandscharo war gestern. Heute ist es ganz wichtig, bei allen Bergbauaktivitäten dafür zu sorgen, dass die Landschaft umweltverträglich rekultiviert wird – idealerweise so, dass keinerlei erkennbare Spuren der Rohstoffgewinnung zurückbleiben. Diese Arbeitsweise ist auch das Prinzip unserer Ausbildung und deswegen bin ich sehr froh, dass wir durch unseren Zuschnitt global wirken. Unsere Studierenden sind später weltweit tätig und arbeiten nach diesen Maßstäben.“
Rohstoffgewinnung durch Recycling
„Es wird uns sicher niemals gelingen, 100 Prozent der Rohstoffe aus Recycling zu erwirtschaften,“ ergänzt Hardebusch. „Dies schon allein deswegen nicht, weil ja immer ein Großteil der jetzt vorhandenen Materialien durch eine aktuelle Funktion gebunden sind, zum Beispiel als Eisenbahnschienen. Aber der Recyclinggrad wächst seit Jahren und somit ist heute längst nicht mehr nur der Bergbau Rohstofflieferant. Moderne Wiederverwertungstechnologien sind bei uns zentraler Lehrinhalt.“
Deutschland ist und bleibt Rohstofflieferant
Es sei auch falsch, bei Rohstoffen nur an Metalle oder an endliche, fossile Materialien wie Erdöl oder Gas zu denken, die nicht zuletzt aus Klimawandel-Gesichtspunkten ohnedies auf dem Rückzug sind. „Auch Gesteine sind Rohstoffe, die für Wohn- und Infrastrukturbauten benötigt werden. Über diese verfügt unser Land übrigens nach wie vor reichlich und daher sind die Experten, die wir ausbilden, auch im Inland weiter sehr gefragt,“ weiß Hardebusch. „Außerdem wird ihre Kompetenz auch beispielsweise im Tunnelbau benötigt. Es gibt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten.“
Viele wollen Julian
Das bestätigt auch Julian Weber: „Obwohl ich mich gar nicht bewerbe, bekomme ich wöchentlich mindestens ein Jobangebot. Deswegen würde ich mich über weitere Kommilitonen in meinem Studium freuen. Leider gibt es insbesondere noch zu wenig Frauen, die sich für unser abwechslungsreiches Fach interessieren. Ich fände es schön, wenn sich das ändert. In diesem Sinne ein herzliches Glückauf!“

Studium Nachhaltige Rohstoffgewinnung und Recycling – so geht´s:
Generelle Voraussetzung für das Bachelor-Studium an der TU Clausthal ist eine Hochschulzulassungsberechtigung, idealerweise also der gymnasiale Schulabschluss mit Abitur. Derzeit gelten für das Bachelorstudium keine Zulassungsbeschränkungen („Numerus Clausus“). Eine Bewerbung (auch online) – wie auch ein Beratungsgespräch – kann direkt an der Uni erfolgen. In besonderem Maße geeignet ist das Studium für Bewerber, welche gute Kenntnisse und Interesse an den sogenannten MINT-Fächern haben. Vor Studienbeginn sieht das Verfahren ein mindestens achtwöchiges Praktikum bei einem geeigneten Unternehmen vor. Regelmäßig veranstaltet die TU Clausthal öffentliche Informationstage, für die man sich online anmelden kann: www.tu-clausthal.de oder
hier direkt zum Studiengang.
Bilder: privat
