Zwischen Alpenrand und Inselglück: Auszeit am Chiemsee

Der Chiemsee ist nicht einfach nur ein See; sein Lebensgefühl verbindet alpine Erhabenheit mit mediterraner Leichtigkeit. Das „Bayerische Meer“ lockt mit grandiosen Alpenblicken, Beachbars, Sport und Kultur. 

Von Gstadt oder Chieming aus gleiten die Dampfer der Chiemsee-Schifffahrt sanft über das Wasser, während die Inseln näher rücken. Zuerst die Herreninsel, die größte der drei Chiemseeinseln, die ganz im Zeichen König Ludwigs II. steht. Schloss Herrenchiemsee, das „Bayerische Versailles“, erhebt sich majestätisch zwischen parkartigen Wäldern. Der berühmte Spiegelsaal überwältigt mit seiner Pracht – 98 Meter lang, gesäumt von Kerzenleuchtern und Spiegeln. Ludwig II. wollte hier dem Absolutismus ein Denkmal setzen, auch wenn er selbst nur wenige Tage in seinem Traumschloss verbrachte. Der weitläufigen Park lässt sich ganz wunderbar durchstreifen: Der Inselrundweg ist zwischen sieben und neun Kilometer lang, ganzjährig bieten sich nach dem Schlossbesuch kleine Themenwanderungen über die Insel an.

Schloss Herrenchiemsee. Foto: Chiemgau Tourismus e.V.

Ganz anders die Fraueninsel: Klein, autofrei und mit einer fast magischen Aura. Das Kloster Frauenwörth mit seinem freistehenden Campanile prägt die Silhouette, Fischer ziehen ihre Netze ein, und in den kleinen Ateliers entstehen Keramik und Kunst. Das Mittagessen in einem der Wirtshäuser am Ufer – vielleicht geräucherte Renke oder Chiemseefisch – schmeckt nach Sommer und Leichtigkeit. Am Nachmittag geht es zurück ans Festland, wo der Abend am Seeufer von Chieming mit einem Glas Wein ausklingt.

Rund um den See

Lichtstimmung am Chiemsee in Bayern, Germany

Der Chiemsee-Rundweg umrundet auf 64 Kilometern den See. Nicht alle müssen es sein – einzelne Etappen lassen sich perfekt per Rad oder zu Fuß erkunden. Die Route führt durch Schilfgürtel und kleine Häfen, vorbei an versteckten Badestellen und Uferpromendaden. Ein Stopp lohnt in Seebruck mit seinem Römermuseum. Oder in Gstadt, wo bunte Segelboote im Hafen dümpeln. Unterwegs lockt ein Biergarten mit schattigen Kastanienbäumen – eine kühle Maß, dazu Obazda und frisches Bauernbrot, während Bienen um die Blumen summen.

Gipfelglück an der Kampenwand

Ein Höhepunkt ist ein Ausflug zur bekannten Kampenwand. Die Auffahrt mit der Seilbahn – oder alternativ eine Wanderung – führt auf 1.669 Meter Höhe. Oben öffnet sich der Blick über den Chiemsee bis ins Alpenvorland. Die Einkehr in der Steinlingalm auf dem Rückweg ist Pflicht: Kaiserschmarrn oder Brotzeit, dazu ein kühles Radler, während die Glocken der weidenden Kühe den Soundtrack liefern. Für Bergliebhaber: Die Chiemgauer und Mangfalltaler Berge sind perfekt und gut erreichbar. Die  bayerische Voralpenlandschaft mit Hügeln und Seen trifft auf Berge wie den Wendelstein (1.838 m), im Osten auf die Chiemgauer Berge, im Westen auf das Mangfallgebirge, im Süden auf Tirol.

Aufsteigen und genießen

Rund 1400 Kilometer bestens beschilderte Radwege, viele Themenradtouren und fast 600 Kilometer Mountainbike-Netz prägen den Chiemgau als herausragende Radregion. Abwechslungsreiche Strecken führen durch sanfte Hügel, entlang glitzernder Seen und hinauf zu aussichtsreichen Höhen.

Kultur und Natur

Kloster Seeon mit Klosterinsel in der Gemeinde Seeon-Seebruck im oberbayerischen Landkreis Traunstein.

Dieser Weg führt zu den verborgenen Schätzen der Region. Kloster Seeon liegt auf einer Halbinsel im Seeoner See, umgeben von Wasser und Stille. Die romanisch-gotische Anlage beherbergt heute ein Kulturzentrum, aber die mittelalterliche Atmosphäre ist geblieben. Alternativ lockt Schloss Hohenaschau, eine mittelalterliche Burg hoch über dem Priental, mit Führungen durch prunkvolle Säle und Rüstkammern. Der Nachmittag gehört der Natur: Die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, Bayerns ältestes Naturschutzgebiet, ist ein Mosaik aus 18 kleinen Seen, Mooren und Wäldern. Hier wandert man auf stillen Pfaden, wo Eisvögel über das Wasser schießen und Libellen in der Sonne glitzern.

Umland und kleine Wege

Ein schöner Ausflug führt wahlweise in das stille Achental mit seinen faszinierenden Moorlandschaften oder über die nahe Grenze nach Salzburg. Die Mozartstadt ist in nur 45 Minuten erreichbar und bietet mit ihrer Festung Hohensalzburg und den barocken Gassen ein urbanes Kontrastprogramm. Wer es lieber bayerisch-gemütlich mag, bummelt durch Traunstein oder besucht den Lokschuppen in Rosenheim.

Tipps für Ihre Chiemsee-Reise

  • Beste Reisezeit: Der Mai und Juni sowie der September und Oktober sind ideal. Die Sicht auf die Alpen ist oft glasklar, und die Wege sind weniger belebt als in Bayerns Sommerferien.
  • Abtauchen im Chiemsee: Mehr Infos zum Baden im Chiemsee und weiteren Badeseeen gibt es hier.
  • Mobilität: Anreise per Bahn beispielsweise bis Prien am Chiemsee, Bernau am Chiemsee und Übersee am Chiemsee. Mehr Infos hier.
  • Wetter-Tipp: Das Wetter am Chiemsee kann wechselhaft sein – Föhn bringt klare Sicht, aber auch Wetterumschwünge.
  • Geheimtipp: Verpassen Sie nicht den Sonnenuntergang im Beach Club Chieming. Hier verschmelzen See und Himmel zu einem Farbenspiel, während sich der Tag mit einem Cocktail verabschiedet.

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Fotos: Adobe Stock, Chiemgau Tourismus e.V.

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