Im Urlaub ein Abenteuer erleben und die eigenen Grenzen spüren, unberührte Natur sehen und mal so richtig abschalten, das reizt viele von uns. Wer dabei auf das Klima achten möchte und weiß, dass es Abenteuer nicht nur am anderen Ende der Welt gibt, für den ist eine Alpenüberquerung mit dem Rad genau das Richtige. flin-Autorin Lena hat die Herausforderung gewagt. Auf der alten Römerstraße Via Claudia Augusta mit dem Fahrrad vom Allgäu bis an den Gardasee: Ein Erfahrungsbericht mit Etappen, praktischen Tipps und Optionen für jedes Fitness-Level.
Autorin: Lena Kube
Etappe 1: Von Füssen bis nach Imst (70 Kilometer)
Am späten Vormittag des ersten Tages geht es los. Die Satteltaschen sind gepackt, Zelt, Isomatte und Schlafsack nehmen fast den gesamten Platz auf meinem Gepäckträger ein. Ein zusätzliches Gepäckstück dazubuchen ist nicht, also gilt es, alles andere auf das Nötige zu reduzieren. Jedes zusätzliche Kleidungsstück wurde kritisch auf seine Dienlichkeit während meiner viertägigen Alpenüberquerung überprüft.

Am malerischen Lechfall in Füssen schwinge ich mich auf den Sattel. Mein Ziel: Der Gardasee. 370 Kilometer liegen vor mir, drei Bergpässe, 3.000 Höhenmeter hinauf und 3.500 Höhenmeter hinunter. Meine Tour ist ein Teilstück der Via Claudia Augusta , einer alten Römerstraße über die Alpen. Die Via Claudia Augusta ist eine beliebte Radstrecke und gilt als die leichteste Alpenüberquerung. Schon Römer wollten ihre Handelsgüter aus dem Süden wohl möglichst anstrengungsfrei über die Berge bringen.
Die erste Etappe führt über den malerischen Fernpass, einen Bergpass, der am ersten Tag gut zu bewältigen ist. Nach dem Anstieg und einer Pause am Fernsteinsee rollt das Rad fast wie von allein ins Tal nach Imst. Imst liegt im österreichischen Tirol. Der Campingplatz begrüßt mich mit einem freundlichen „Schön, dass du hier bist“ und mit dieser netten Begrüßung ist auch das Zelt im Nu aufgebaut.

Etappe 2: Imst bis St. Valentin am Reschensee (90 Kilometer)
Am zweiten Tag steht der zweite Bergpass auf dem Plan. Die Euphorie des ersten Tages weicht der Müdigkeit in den Beinen. Die alte Festung Altfinstermünz lässt die Erschöpfung kurz verfliegen, doch nach 60 Kilometern in Martina im schweizerischen Kanton Graubünden angekommen bin ich schon ganz schön platt.
Vor dem Anstieg zur Norbertshöhe sammeln sich die Radler und Radlerinnen, füllen ihre Trinkflaschen auf, schauen ehrfürchtig nach oben. Manche sind mit dem E-Bike unterwegs, manche mit dem Rennrad, andere mit Trekkingrad und Zeltausrüstung – so wie ich.

In acht Kilometern geht es nun 400 Höhenmeter bergauf. Oben im Örtchen Nauders angekommen ist der eigentliche Pass, der Reschenpass, mit seinen 60 Höhenmetern ein Klacks. Das traumhafte Alpenpanorama des Reschensees entschädigt die anstrengendste zweite Etappe meiner viertägigen Radreise.
Spezial-Tipp: Wer den größten Anstieg der Tour nicht fahren möchte, kann im Städtchen Pfunds ein Rad-Shuttle nehmen.
Etappe 3: St. Valentin (Reschensee) bis Bozen (100 Kilometer)
Am morgen des zweiten Tages ist es in den Bergen (wohlgemerkt: am höchsten Punkt der Tour) merklich kühler, und das Ende Juni. Bei 13 Grad gieße ich den vorbereiteten Porridge mit heißem Wasser auf und genieße die Stille inmitten der Gebirgsketten. Das Zusammenstellen der Trekking-Nahrung habe ich als Teil meiner Erlebnisreise gesehen und an der Vorbereitung richtig Freude daran gehabt. Meine pragmatischen, ultra-leichten und nahrhaften Rezepte findet ihr im Infokasten.

Ab dem Reschensee beginnt die ersehnte Abfahrt. Auf ausgebauten Fahrradwegen geht es über die südtirolerischen Dörfchen Burgstall, Malsch und Glurns bis zur nächstgrößeren Stadt Meran. Die Bäckereien und Kirchen auf dem Weg laden zum Verweilen ein und nach dem Rollenlassen und Genießen habe ich für das das letzte Stück bis Bozen Kraft, noch einmal richtig in die Pedale zu treten.
Etappe 4: Von Bozen bis Torbole am Gardasee (120 Kilometer)
Apfelplantagen, Apfelplantagen, Apfelplantagen, Apfelplantagen. Die letzte Etappe ist nicht nur die längste, sondern auch die eintönigste meiner viertägigen Radtour. Die Via Claudia Augusta führt nämlich – immer am Flüsschen Etsch entlang – durch das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas.

Zum Glück liegen die beiden italienischen Städte Trient und Rovereto auf dem Weg und ein kleiner Stadtbummel sorgt für die nötige Abwechslung, bis ich mich erneut auf schier endlosen Radwegen im Südtiroler Apfelparadies wiederfinde.
Kurz nach Rovereto verlasse ich die alte Römerstraße, die weiter nach Verona oder Venedig führt. Meine Route biegt nach Westen ab und hat nun einen letzten Anstieg für mich parat, den Passo San Giovanni.

Ich strampele die steilen Sträßchen hinauf und: da ist er, der Gardasee! Mit diesem Panorama hatte ich nicht gerechnet. Eine Fahrradstraße, die schöner nicht sein könnte, schlängelt sich hinab bis zum See.
Spezial-Tipp: Die malerische Fahrradstraße auf dem Bild ist zwar ein kleiner Umweg und mündet im Hinterland bei Arco, ist aber auf jeden Fall jeden Zusatzkilometer wert.
Das Ende der Tour: Ein Abend am Gardasee
Am späten Nachmittag am Gardasee angekommen genieße ich in der untergehenden Sonne meine letzte Portion Trekking-Couscous als Salat. Im örtlichen Supermarkt mit Paprika und Tomaten aufgepeppt schmeckt er ganz wunderbar.

Meine Radtour auf der Via Claudia Augusta war die perfekte Mischung aus Anstrengung an den ersten Tagen, italienischen Dörfchen, Zelt-Abenteuer und sportlicher Challenge. Ich bin ein bisschen stolz, die 380 Kilometer lange Tour bewältigt zu haben und freue mich schon auf meine nächste Radreise.
Mein Fazit: Die Via Claudia Augusta ist für alle Fitness-Level geeignet. Sie ist nicht nur super beschildert, sondern mit den Rad-Shutteln für die Bergpässe, E-Bike-Verleihstationen und Gepäckservice für Jung und Alt, für Ambitionierte und Genießer geeignet.
REZEPTE
Trekking-Porridge: 100 Gramm Haferflocken, 20 Gramm Proteinpulver nach Wahl, 10 Gramm Rosinen
Trekking-Couscous: 80 Gramm Couscous, 20 Gramm getrocknete Tomaten, 10 Gramm Röstzwiebeln, Gewürze nach Wahl
Trekking-Kartoffelpüree: 90 Gramm Kartoffelflocken, 50 Gramm Sojaschnetzel, Muskat, Salz (oder Instant-Kartoffelpüree)
Quellen: https://www.viaclaudia.org/radtour/rad-route-via-claudia-augusta / Bilder: Lena Kube
