Influencer kann jeder: Wir stellen Ihnen außergewöhnliche Ausbildungswege vor und porträtieren die Menschen dahinter. In der vierten Folge von „Mein Job und ich“ erzählt der 24-jährige Auszubildender Danny Enno Fischer, warum es ihm so gut gefällt Binnenschiffer zu werden.
Autor: Thilo Weinert
Mit einer Ausbildung sicher ins Ziel navigieren
Räumen wir zuerst mit einem Vorurteil auf: Wer mit einem Schiff unterwegs ist, ist so gut wie nie zu Hause. Danny Enno Fischer, 24 Jahre alt und Azubi bei der HGK Shipping GmbH, dem europaweit führenden Binnenschifffahrts-Unternehmen und Tochter des großen Logistik- und Güterverkehrsdienstleisters, der HGK-Gruppe (Häfen und Güterverkehr Köln AG), weiß es besser: „Also, wir Binnenschiffer haben genau genommen immer ein halbes Jahr Urlaub. In der Regel sind wir zwei bis drei Wochen unterwegs und danach erhalte ich die gleiche Zeitstrecke frei.“ Die der Azubi im ersten Lehrjahr überwiegend in seiner thüringischen Heimat verbringt. „Der Rhein ist unser wichtigster Wasserweg und daher reisen wir bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Mietwagen zu unserer Rheinstrecke an.“
Frachtmanager im kleinen Team
Wenn es losgeht, ist aber Programm angesagt: „Es ist ein Beruf, in dem man viel sieht und erlebt. Mit dem rund 115 Meter langen und 15 Meter breiten, dieselgetriebenen Schiff, auf dem ich zurzeit tätig bin, transportieren wir große Gasvorräte.“ Die Routen, auf denen Danny zum Einsatz kommt, führen nach Belgien und in die Niederlande. „Auch wertvolle und sicherungsbedürftige Chemikalien zählen zu unserem Aufgabengebiet. Da ist viel Sorgfalt geboten und insbesondere am Steiger, der Be- und Entladevorrichtung des Hafens, tragen wir spezifische Schutzkleidung.“ Trotz der großen Herausforderung kommen moderne Binnenschiffe mit einer kompakten Mitarbeiterzahl aus: „Meist sind wir so um die fünf Kollegen an Bord.“
Danny Im Dienst: Allrounder

Trotz kleinem Team wird es Danny Fischer in seinem Job keineswegs langweilig – ganz im Gegenteil. Denn Ladung und Transport sind nur ein Teil des Aufgabengebiets in diesem abwechslungsreichen Job. „Wir sichern unsere Güter gemäß Stauplan, warten und prüfen die Motoren, reinigen und pflegen das Schiff sowie seine Aufbauten und Vorrichtungen, die auch gecheckt und überwacht werden müssen. So nutzen wir auch Phasen von Niedrigwasser, die allerdings mit unseren modernen, flachen Schiffen selten vorkommen. Darüber hinaus unterstützen wir den Schiffsführer bei Fahrt und Navigation.“
Kein Junkfood an Bord
Dabei hat Danny zwar festgelegte Arbeitszeiten, ist aber auch im Schichtbetrieb tätig. Logisch, ein Schiff fährt natürlich 24/7. Zum perfekten Allrounder-Profil eines Binnenschiffers gehört übrigens auch, für das Catering zu sorgen: „Wir kochen selbst auf dem Schiff für uns. Ich mache das auch sehr gerne. Gestern gab‘s Chili con Carne…“
Als Frauenberuf durchaus geeignet
Jetzt ist Vorurteil Nummer zwei dran: Binnenschiffer ist reine Männersache. „Da ich bin wohl der beste Gegenbeweis,“ meldet sich Sarah Rusbült zu Wort, die Ausbildungsverantwortliche bei der HGK Shipping: „Ich bin selbst gelernte Binnenschifferin und weiß sehr gut, wie sich unsere Profession entwickelt hat. Gefragt ist heute nicht mehr der kraftstrotzende Seebär, sondern die Macher mit Köpfchen. Für die Power ist heutzutage die Technik zuständig.“ Und nicht nur das: Wer sich in der Partnerschaft gut organisiere, dem ermögliche diese Tätigkeit aufgrund der langen Freizeitphasen auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Einen weiteren sachdienlichen Hinweis hat Rusbült, die bei der HGK Shipping übrigens derzeit 34 Azubis navigiert, für uns: „Ich habe noch nie einen arbeitslosen Matrosen gesehen! Das rührt nicht zuletzt auch daher, dass das Logistikaufkommen wächst und die Schifffahrt aufgrund ihrer hohen Kapazitäten bei geringem Energieverbrauch zu den ökonomischen wie ökologischen Gewinnern zählt.“
Rotterdamer Skyline by Night
Zum Abschluss dürfen wir noch ein bisschen schwärmen. Sarah Rusbült liebt ihren Ausbildungsberuf, „weil man sich in dieser besonderen beruflichen Nische immer wieder begegnet und ein tolles Netzwerk aufbaut. Dieser Job ist auch ein Lebensstil.“ Danny Fischer wiederum schätzt die „nächtliche, beleuchtete Hafenskyline von Rotterdam-Europoort. Andere zahlen teuer für diese wunderbare Hafenrundfahrt!“ In diesem Sinne überlassen wir unserem Azubi auch das Schlusswort: „Ahoi!“
Binnenschiffer – so geht´s:
Binnenschiffer/innen sind Allrounder. Gute Chancen hat, wer neben dem Schulabschluss etwas handwerkliches Geschick und ordentliche Kenntnisse in den technischen Fächern mitbringt. Vieles lässt sich aber auch im Job gut erlernen. Sinnvoll ist, sich bei Erstinteresse – wie es Danny Enno Fischer gemacht hat – zunächst einmal auf ein Praktikum zu bewerben, um ein „Gefühl“ für diesen besonderen Beruf zu entwickeln. Neben dem logistischen Bereich, in dem die HGK Shipping Marktführer ist, sind Binnenschiffer auch in der Personenschifffahrt tätig sowie unter anderem in Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern. Weiterentwicklungsmöglichkeiten liegen beispielsweise im Erwerb des Patents als Schiffsführer. Mehr Infos finden Sie hier.
Bildtexte (Bildrechte frei: HGK Shipping GmbH), privat
