Cycling – Sportart mit Suchtfaktor

Olympia hat 32 Sportarten. Jedes Jahr kommen Trends dazu – aber nur wenige bleiben. Cycling ist einer davon: Seit den 1990ern gibt es Indoor-Cycling-Studios, seit den 2010ern erlebt die Sportart einen weltweiten Boom. Warum füllen heute die Workouts ganze Hallen, zahlreiche TikTok-Feeds und seit über vierzehn Monaten den Samstagmittag von Kristina? 

Autorin: Kristina Deckert

Hallo, ich bin Kristina. Vielleicht kennen Sie mich aus der Reihe „Digitale Museen“. Was Sie noch nicht wissen: Ich gebe mich für diese neue Serie „Sportarten im Check“ ganz olympisch, nach dem Motto „Dabei sein ist alles“! Ich teste Sportarten und beantworte die Frage, die man sich oft erst nach ein paar Wochen stellt: Lohnt sich das eigentlich wirklich? An den Start gehe ich mit „Cycling“.

Ich habe vieles ausprobiert: Yoga, Schwimmverein, Bodypump, Bodybalance, ich habe mich sogar durch eine Stunde Zumba getanzt. Danach war klar: nie wieder. Zu monoton, zu vorhersehbar, zu wenig Motivation. Sie denken jetzt vielleicht: „Joggen hätte sie können.“ Ja, hätte ich. Finde ich aber furchtbar. Mache ich nicht. Und dann schleppte mich eine Freundin zum Cycling. Mein erster Gedanke war: „Fahrradfahren? Wie langweilig.“ Auf der Website fand ich motivierende Sprüche „Just try one class and you will be hooked!“ oder „exhilarating workouts and endless possibilities“. Ich war skeptisch! Das ist jetzt 14 Monate her. Heute schwitze ich jeden Samstagmittag im Kurs von Ride-Expertin Meira. Und ich weiß, es ist meine Sportart.

Cycling – meine sportliche Entdeckung

Kristina vor dem Ride

Ein Ride dauert 45 Minuten. Klingt überschaubar. Ist es nicht. Man sollte etwa 20 Minuten früher da sein: Schuhe ausleihen und kurz ankommen. Dann geht die Tür auf, man betritt einen abgedunkelten Raum mit rund 40 Bikes, stellt sein eigenes ein, holt sich ein Paar Hanteln. Die Musik läuft bereits, der Bass ist spürbar. Der Ride-Expert steht im abgedunkelten Raum vorne auf einem Podest, gibt erste Anweisungen, erklärt Positionen und Technik. Sie holen sich ein paar Hanteln, stellen das Bike ein. Dann: Licht runter, Musik rauf, der Bass ist spürbar. Das Warm-up dauert zwei Songs. Ich bin danach meist schon komplett durchgeschwitzt. Kein Wunder, die Trittfrequenz geht bis zu 120 BPM (beats per minute). Das ist  fast so schnell wie der Track „Titanium“ von David Guetta (126 BPM).

Was folgt, ist kein monotones Radeln: Tempowechsel, Widerstände, Sprints, Push-up-Variationen auf dem Bike, kleine Choreos. Man fährt nicht einfach: man arbeitet. Körperlich und mental. Und trotzdem: Die Zeit vergeht schnell. Vielleicht, weil man ständig gefordert ist. Vielleicht, weil der Kopf irgendwann abschaltet. Oder vielleicht einfach weil von Song zu Song die Endorphine steigen. In 45 Minuten lege ich – je nach Ride – zwischen 18 bis 22 Kilometer zurück. Da könnte ich locker von Berlin Mitte nach Potsdam radeln.

Kosten, Einstieg, Aufwand

Ich trainiere bei Ride by Ride Berlin – einem Boutique-Cycling-Studio. Es gibt allerdings diverse Anbieter.

Kosten:  15 Euro pro Session – abhängig vom Anbieter, oft inkludiert in Urban Sport/Wellpass, Leihschuhe zirka zwei Euro/eigene Schuhe können mitgebracht werden.

Dauer: 45 Minuten pro Einheit

Einstieg: auch für Anfänger geeignet, Einweisung vor der ersten Stunde

Rahmenbedingungen: dunkler Raum, laute Musik/Gruppentraining mit Coach

 

Pro:

  • extrem effektives Ganzkörpertraining
  • motivierende Atmosphäre
  • starker Community-Gedanke

Contra:

  • Lautstärke gewöhnungsbedürftig
  • nichts für Menschen, die absolute Ruhe beim Sport suchen

 

Für wen lohnt sich das wirklich?

Was ich besonders mag: Neue werden hier nicht einfach „mitgenommen“, sondern wirklich willkommen geheißen. Die sogenannten „Newbies“ bekommen Applaus. Auch wenn jeder für sich trainiert und man sich im abgedunkelten Raum während des Workouts nur schemenhaft wahrnimmt, entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft.

Nach dem Workout: Stretching, ein High-Five, ein kühles Tuch. Und das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben.

Kristinas Fazit:
Cycling ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein ernstzunehmendes Workout mit Suchtpotenzial.

Kristinas Cycling-Ranking
Schwierigkeitsgrad: 3/5
Schwitzfaktor: 5/5
Motivationsfaktor: 5/5
Community: 4/5
Spaßfaktor: 5/5

 

 

 

 

 

 

Interview mit Trainerin Meira

Meira, 25 Jahre, seit über zwei Jahren Ride‑Expertin und Cycling‑Enthusiastin

flin: Was macht Cycling für dich so besonders?

Meira: Ride ist einfach ein richtig toller Sport, weil er gute Laune macht. Diese 45 Minuten im dunklen Raum mit lauter Musik vergehen wie im Flug und man kann sich auf dem Bike richtig auspowern. Es ist eben nicht nur klassisches Spinning, sondern eine HIIT-Full-Body-Cycling-Class, bei der man Kondition, Kraft und Koordination verbindet. Und man lernt so viele tolle Menschen kennen. Zu sehen, wie sie besser werden und mit einem Lächeln nach Hause gehen, ist ein richtig schönes Gefühl.

flin: Wie bist du dazu gekommen?

Meira: Ich habe 2020 bei Ride angefangen, damals noch am Empfang, wir nennen das „Deskhero“. Dann habe ich immer häufiger Kurse gegeben und meine Leidenschaft dafür entdeckt. Meine Mutter ist auch Trainerin dort, ich habe bei ihr gesehen, wie viel Spaß dieser Job macht.

flin:Warum bleiben so viele dabei?

Meira: Weil man schnell merkt, wie man besser wird. Viele wachsen über sich hinaus und sind total stolz, wenn sie Übungen länger durchhalten oder besser im Takt bleiben. Und man sieht auch oft Leute, die das erste Mal da sind und dann jede Woche wiederkommen. Zu erleben, wie sich die Neulinge von der letzten Reihe, Stück für Stück immer weiter vor trauen und irgendwann in der ersten Reihe sitzen, ist super!

flin: Warum würdest du den Sport empfehlen?

Meira: 45 Minuten sind nur etwas mehr als drei Prozent eines ganzen Tages. Aber diese drei Prozent können viel verändern. Stress, Gedanken oder Probleme kann man in dem Raum einfach mal abschalten und sich auspowern. Durch die Lichter und die laute Musik entsteht beinahe ein Club-Gefühl, das macht einfach gute Laune.

flin: Was rätst du Einsteigern?

Mira: Einsteigern rate ich vor meinen Kursen immer: „Lasst alles erstmal wirken, man muss am Anfang noch nicht perfekt mitkommen!“ So wie bei allen Sportarten, muss man Reinkommen, verstehen was die Beine machen, der Oberkörper und wie die Bewegungen auf dem Bike zum Beat der Musik funktionieren. Außerdem ist der Raum dunkel, jeder macht sein eigenes Ding. Es geht nicht um Konkurrenz, sondern darum, einfach sein Workout durchzuziehen.

Und wer schon mal reinhören wil: Hier geht’s zur aktuellen Playlist von Meira.

Bilder: privat

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