„Ihr geht mir auf den Sack!“ lautet der provokante Titel eines kürzlich veröffentlichten Videos von David Hain… und ich wurde darin sogar explizit erwähnt. David muss ich vielen nicht mehr vorstellen. Seine Videos erreichen mittlerweile ein Millionenpublikum.
Autor: Alper K. Turfan
Hintergrund des provokanten Videotitels war ein Beitrag, den er wenige Tage zuvor hochgeladen hatte: ein Ranking sämtlicher Star-Wars-Filme. So weit, so unspektakulär. Doch wer wie David und ich Filme und Serien im Internet bespricht, weiß auch, dass die Star-Wars-Community zersplitterter als das Heilige Römische Reich ist und brachialer explodieren kann als Boba Fetts Seismischen Ladungen.
Da gäbe es die puristischen Alt-Fans, für die Star Wars 1983 mit Die Rückkehr der Jedi-Ritter endete. Die Millenials, die in ihrer Jugend siebenmal für Die Rache der Sith ins Kino pilgerten. Oder die jüngeren Generationen, die mit der Animationsserie Clone Wars aufwuchsen. So oder so: David selbst ist nicht der größte Star-Wars-Fan (wie er selbst sagt) und hat einige spannende Meinungen, die viele nicht teilen (was sein gutes Recht ist). Jeder User wiederum hat das Recht David in den Kommentaren zu widersprechen oder sich darüber zu amüsieren, dass er Der Aufstieg Skywalkers über Die Rache der Sith platziert. Aber einige selbsternannte Fans ließen ihren gesamten Frust aus, beleidigten ihn aufs Gröbste und sprachen ihm jegliche fachliche Kompetenz ab.
Denn manche „Fans“ verwechseln offensichtlich Leidenschaft mit Besitzanspruch. Kein Wunder also, dass David offenbart, dass er immer weniger Kommentare liest. Viele seiner Kollegen würden es genauso tun, so wie auch mein Team, Cinema Strikes Back. Das ist nicht unwahr: Wenn Kommentarspalten zum Seelengift werden, dann schaut man da eben nicht rein.
Ich kann David verstehen und bin froh, dass wir einen Community Manager haben, der für uns Kommentare filtert. Doch nicht jeder kann sich dieses Privileg leisten. Das ändert sowieso nichts daran, dass Kritiker:innen für ihre Meinungen angefeindet werden, egal wie gut begründet sie sind. Lobt man ein Star-Wars-Werk macht man’s falsch, weil man die seelenlose Content-Maschinerie von Disney unterstützt. Kritisiert man ein Werk, ist man ein Hater, der immer nur das Negative sieht und nur an Klicks interessiert ist. Für differenzierte Kritik an differenzierter Kritik ist oft kein Platz.
Ein Problem sind ja aber auch die Plattformen selbst. Gerade in Titeln und Thumbnails muss man ja zugespitzt formulieren, wenn man sich den Regeln des Algorithmus anpassen möchte. Wenn man nur 100 Zeichen Platz für einen Titel hat, dann gibt es dort nicht viel Raum für begründete Meinungen. „Star Wars ist tot“ klickt sich leider besser als „Meine differenzierte Meinung zu The Mandalorian & Grogu“. Die Community ist tief gespalten und zerreißt sich im Netz das Maul. Doch wer Star Wars liebt, sollte vielleicht einfach mal akzeptieren, dass andere Menschen Star Wars anders lieben.
Genau deshalb wirkt es fast schon absurd, dass eine aktuelle Star-Wars-Serie etwas schafft, woran Disney seit Jahren scheitert: Sie bringt unterschiedlichste Fan-Lager an einen Tisch.
Maul: Shadow Lord dreht sich um den gleichnamigen ehemaligen Sith-Lord und hat für jedes Star-Wars-Herz etwas dabei. Mich persönlich hat die Serie mitgerissen wie kaum ein Disney-Werk aktuell. Die atemberaubende 3D-Welt sah in Kombination mit den handgemalten Hintergründen nie besser aus. Die verrauchte Cyberpunk-Atmosphäre auf dem Planeten Janix begeistert Groß und Klein. Auch die düstere Neo-noir-Story um den Ermittler Brander Lawson und das bedrohliche Erstarken des faschistischen Imperiums hat mich gefesselt.
Vielleicht lautet also die Antwort auf so manche Befindlichkeiten der Star-Wars-Community derzeit: Maul. Und damit meine ich nicht nur die Serie.
Bilder: Alper K. Turfan
