Darum geht es: Wenn Jojo ihre Herkunft einfach ausradieren könnte, würde sie es tun. Zwar hat sie das Vorstadtgrau weit hinter sich gelassen, doch an der Uni hat sie trotzdem ständig Angst, jemand könnte herausfinden, dass sie nicht hierhergehört. Einzig die Arbeit im Labor gibt ihr Halt. Als Jakob in ihr Leben tritt, findet Jojo zu einer neuen Leichtigkeit. Doch dann erhält sie ein Lebenszeichen ihrer ehemals besten Freundin, und plötzlich ist alles wieder da: die Jahre mit Yara, mit der sie mehr Zeit verbrachte als mit ihren eigenen Eltern. Die auf jeden Spruch eine Erwiderung parat hatte. Yara, mit den grünen Sneakern, die selbst auf den dümmsten Spruch eine Erwiderung parat hatte. Und die von einem Tag auf den anderen verschwand, obwohl sie doch gemeinsam ausbrechen wollten aus der Vorstadt. Hier geht es zur Leseprobe.
Sätze, die nachdenklich stimmen: „Wenn sie sich verabschiedet hätte, vielleicht wäre es dann jetzt anders. Wenn sie einen Brief geschrieben hätte oder eine Nachricht, nicht auf WhatsApp, sondern eine SMS, eine SMS kommt mir stilvoller für so einen Anlass vor, immerhin muss man dafür bezahlen. Vielleicht wäre ich dann nicht die Verlassene, sondern sie diejenige, die verlassen hat.“ (Buch Seite 124)
Empfehlenswert für: Leser, die sich mit gesellschaftlichen Themen, wie Klassizismus, Bafög-Struggle und psychische Belastungen auseinandersetzen möchten. Wer den Schreibstil von Caroline Wahl mag, wird „Kaskaden“ lieben.
Autorin: Louise K. Böhm, geb. 2000 in Berlin, studierte nach einem ersten Studium im Medienbereich Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturpolitik in Hildesheim, bevor es sie beruflich in die Musikbranche und privat nach Hamburg verschlagen hat. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Literaturmagazinen und Anthologien. Auf Social Media teilt sie als @louschreibt_ Literaturempfehlungen, gibt Einblicke in ihren Alltag als Autorin und klärt über Klassismus in der Kulturbranche auf.
Bilder: stockFoto, Penguin Verlag
